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25.05.2001 «Onko-Kids» öffnet krebskranken Kindern das Internet

Die kleinen Patienten sollen via E-Mail den Kontakt zur Außenwelt halten Von AP-Mitarbeiterin Petra Seiler Heidelberg (AP) Es riecht nach Desinfektionsmitteln in der Heidelberger Universitätsklinik, ein 14-Jähriger mit kahlem Kopf und Infusionsnadel im Arm schaut angestrengt auf den Computerbildschirm. Er mailt seinen Freunden zu Hause. Für den krebskranken Alex ist der Computer das Tor zur Welt, er ermöglicht Kontakt, bietet Informationen und lenkt wenigstens für einige Zeit ab.

«Onko-Kids» heißt das Projekt der Uniklinik Heidelberg, das allen Kindern auf der Krebsstation, die älter als sechs Jahre sind, einen Internet-Zugang zur Verfügung stellt.

Das Ziel: Verschiedene Kliniken in Deutschland sollen vernetzt werden, so dass sich krebskranke Jugendliche im Forum treffen können. «Grade eben haben wir den Oskar-Kuhn-Gesundheitspreis für dieses Projekt erhalten, die 8.000 Mark können wir natürlich gut dafür brauchen», erzählt die Initiatorin, die Psychotherapeutin Heide Häberle stolz. Seit einem Jahr gibt es das Projekt, es finanziert sich nur über Sponsoren und eine Eltern-Selbsthilfegruppe.

«Die Kinder reagieren auf das Angebot begeistert: sie können neue Sachen ausprobieren, bleiben via E-Mail in Kontakt mit den Freunden zu Hause und können sogar Schulstoff nachholen», erzählt Häberle. Allerdings: Die ganz große Freiheit im Netz gibt es nicht, der Zugang zu Sex-Seiten etwa ist gesperrt. Eine erzieherische Maßnahme und auch ein Zugeständnis an manche Bedenkenträger, die das Projekt eigentlich zuerst nicht wollten.

«Es hieß, das Internet sei pädagogisch nicht wertvoll. Aber wenn ein Kind etwa wegen der Chemotherapie den ganzen Tag bloß noch kotzt, halte ich jede Ablenkung für sinnvoll», betont Häberle. Dass das Ganze durchaus Sinn hat, beweisen die liebevoll von den krebskranken Kindern selbst gestalteten Beiträge auf der eigenen Homepage. Unter www.onko-kids.de findet man Informationen über verschiedene Krebsarten, Geschichten und Gedanken der Kinder, sogar Gedichte.

Immer mittwochs gibt es den offiziellen Chat mit anderen Kliniken, und manche Jugendliche versuchen sich sogar im Webdesign und dem Erstellen eigener Homepages. «Die Kinder sind wochen- und monatelang im Krankenhaus eingesperrt, oft weit weg von zu Hause, und kämpfen mit dem Krebs. Sie möchten und müssen in dieser Zeit Gespräche nach draußen führen. Der Computer ermöglicht das. Das Internet ist also eine wichtige Form der Kommunikation für die Kids», erklärt Häberle.

In nächster Zeit startet ein weiteres Pilotprojekt: die Webcam in der Schule. Eine Kamera soll für den abwesenden Schüler den Unterricht verfolgen, via Internet kann das krebskranke Kind also virtuell in seiner Klasse anwesend sein und verpasst keinen Lernstoff. Doch auch ohne Webcam werden schon einige Kinder von ihren Lehrern und Mitschülern per Netz und Mail mit Informationen versorgt, allerdings hängt der Informationsfluss vom Engagement ihrer Lehrer und Mitschüler ab.

Auch Moorhuhn-Schießen ist erlaubt sind ebenfalls erlaubt und werden fleißig genutzt, allerdings nur für ältere Kinder. «Natürlich kämpfen wir immer noch gelegentlich mit Widerständen, beschweren sich manche über die angebliche Informationsüberflutung durch den Computer. Doch insgesamt finden fast alle Kinder und Eltern das Projekt inzwischen hervorragend», erzählt Häberle. Und wenn virtuell abgeschossene Moorhühner dabei helfen, Aggressionen oder Frust abzubauen und Schmerzen zu vergessen, überwiegt ihrer Meinung nach der Nutzen des Projekts eventuelle Gefahren bei weitem.

Im Prinzip ermögliche das Projekt den Kindern nur weiterhin die Nutzung eines Mediums, das sie auch zu Hause schon fast täglich gebraucht hätten und biete ihnen Möglichkeiten zur Ablenkung und Weiterbildung während der schwierigen Zeit im Krankenhaus.

http://www.onko-kids.de

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